10 Tipps für die Begrüßung und das Verhalten gegenüber ängstlichen Hunden

Wie einige von euch ja wissen ist Skadi, mein Working Cocker Spaniel, ein Hund der Menschen nicht mag. Aufgewachsen in einem ausländischem Tierheim konnte sie keine (schönen) Erfahrungen mit Menschen sammeln. Das hatte zur Folge, dass sie fremden Menschen gegenüber erst einmal Misstrauisch ist. Außerdem ist sie auf Grund der mangelnden Sozialisierung schwer einschätzbar in der Reaktion gegenüber anderen. Wenn dieser unheimliche Mensch dann auch noch so frech ist und sich ihr zuwendet (anstarren, hastige Bewegungen …) oder unheimliche Gegenstände bei sich trägt, spielt sie ihr gelerntes Verhaltensrepertoire ab. Das heißt: verbellen. Hektisch, in hellem und schrillen Ton. Viele Menschen betiteln sie dann als zickig. Nur die wenigsten Menschen verstehen dies als Kommunikation oder sind sich überhaupt bewusst das es Hunde gibt die Menschen nicht so toll finden. Und schon gar nicht sehen sie wie unsicher Skadi eigentlich ist.

Doch es ist wichtig zu wissen, dass nicht jeder Hund freudig und glücklich ist einem Menschen zu begegnen oder gar zu begrüßen. Sogar sehr selbstbewusste Hunde können in manchen Situationen gestresst sein und möchten daher eigentlich lieber in Ruhe gelassen werden.

Wenn du also nicht gerade ein Experte auf dem Gebiet des Ausdrucksverhaltens der Hunde bist, ist es besser du überlässt dem Hund die Initiative ob er mit dir Interagieren will oder nicht. Auch wenn Hunde zum „schnüffeln“ näher ran kommen heißt das nicht unbedingt „Hier bin ich, streichle mich!“. Mein eigener Hund Skadi ist selbst so eine Hündin die keine Menschen mag. Manchmal nimmt sie eine „Nase voll“ des Menschen und dreht sich dann völlig angeekelt und angewidert weg. Ihre Blicke sagen ganz eindeutig „Lass mich in Ruhe!“. Würde der Mensch sie dann ansehen, anfassen oder ansprechen und sie sich in die Ecke gedrängt fühlen, würde sie den Menschen auch massiv verbellen.

Der größte Feind: Kinder und „alle-Hunde-lieben-mich“-Menschen

Kindern wird oft erklärt (wenn ihnen von den Eltern denn überhaupt etwas im Bezug auf den Umgang mit Hunden erklärt wurde) dass sie ihre Hand rausstrecken sollen damit der Hund diese zur Begrüßung beschnüffeln kann. Für Hunde die Menschen und den Kontakt mit Menschen toll finden ist das auch an sich kein Problem. Aber für einen ängstlichen Hund der fremden Menschen nicht vertraut, kann die Hand bereits Ängste auslösen auf die der Hund dann entsprechend reagiert. Das kann die Flucht, also weglaufen sein aber auch ein Angriff kann im schlimmsten Fall folgen. Im letzteren Szenario ist die Hand dann das erste was der Hund mit seinen Zähnen erreicht.

Die schlimmste Art von Menschen mit denen man auskommen muss als Halter eines ängstlichen Hundes sind diejenigen die von sich selbst behaupten das sie „ein Hundemensch sind“, „mit jedem Hunden gut können, weil Hunde das riechen wenn man ihnen nichts böses will“ …. . Solche Menschen können es ganz schwer akzeptieren dass es Hunde gibt, die einfach keinen Kontakt mit ihnen wollen und auch nicht ihre Anwesenheit toll finden und sie wohlmöglich verbellt werden. Aber in jedem Fall sollte die Reaktion des Hundes, egal ob Meideverhalten oder Verbellen, nicht persönlich genommen werden.

Der ultimative „Verhalten gegenüber einem ängstlichen Hund“-Guide:

  1. Nicht aktiv auf den Hund zugehen, erst recht nicht wenn sie angeleint oder angebunden sind!
  2. Frage den Besitzer ob es ok ist mit dem Hund zu interagieren bevor du es tust!
  3. Bedränge niemals einen ängstlichen Hund.
  4. Stehe still wenn ein ängstlicher Hund auf dich zu geht um an dir zu riechen, lass die arme neben deinem Körper ruhig hängen und schaue an dem Hund vorbei. Vermeide hastige Bewegungen oder Blickkontakt.
  5. Bücke dich nicht über den Hund um ihn zu streicheln, gehe dazu lieber in die Hocke. Starre den Hund dabei nicht an.
  6. Streichle lieber das Kinn oder die Brust statt über den Kopf,
  7. Berühre keinen Hund der sich schon im Vorfeld von dir abwendet, beachte die ->calming signals.
  8. Ignoriere Hunde die ganz eindeutige Calming Signals verwenden und klar machen das sie jetzt grad keinen Kontakt wollen. Auch Baby Sprache, Leckerliebeschuss oder jeder andere Versuch den Hund „umzustimmen“ können und werden nach hinten los gehen und den Hund dazu veranlassen gemäß seines Verhaltensrepertoie reagieren.
  9. Versuche nicht zu denken dass jeder Hund dich mag oder du fremde Hunde „resozialisieren“ musst. Beobachte Hunde und ihre Körpersprache, lerne ihr Ausdrucksverhalten und ihre calming signals. Ein Hund, der offensichtlich nicht erfreut ist von deiner Anwesenheit wird dir viel über seine derzeitige Gefühlslage vermitteln.
  10. Verinnerliche „nicht anschauen, nicht ansprechen, nicht berühren“ als Mantra für Begegnungen mit ängstlichen Hunden.

5 Kommentare

  1. Socke-nHalterin

    Ich meine, dass diese Regeln bei jedem Hundekontakt gelten sollten, nicht nur bei dem Kontakt mit ängstlichen Hunden….Soweit mein Wunsch…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Aber gerade bei ängstlichen Hunden ist es wichtig wie man sich ihnen gegenüber verhält – selbstbewusste Hunde verzeihen einem Fehler leichter 🙂 Aber deinen Wunsch kann ich nachvollziehen. Ich hoffe das diese „Regeln“ irgendwann eine Selbstverständlichkeit sind :=)

      Liebste Grüße
      Dani

  2. Bellen als Kommunikation??? Ja gibt’s denn sowas… lach

    Besser wäre, wenn sich das mal herumsprechen würde (wo wir gerade von sprechen reden) und nicht immer und überall als bestenfalls lästig empfunden wird.

    LG Andrea und Linda, die ja auch eine Meinung hat und diese auch äußern darf…

    • Hi Andrea,
      ja stell dir vor, Hunde kommunizieren auch übers Bellen und Knurren. Aber psst – das ist ein Geheimnis und wissen nicht alle 🙂
      Nein, Quatsch beiseite. Ich hoffe, dass alle Hundehalter und Nicht-Hundehalter es irgendwann verstehen dass bellende und/oder knurrende Hunde keine wildgewordenen Bestien sind!
      Liebste Grüße
      Dani

  3. Hallo 🙂
    Obwohl unsere Jessy sich meist (!) problemlos und auch freudig streicheln lässt, gibt’s Situationen, da mag sie nicht. Wir haben auch schon Situationen gehabt, wo Menschen, die eben nicht gemocht wurden, beleidigt grummelnd weggegangen sind. Es wäre sicher schön, wenn man diesen Leuten begreiflich macht, dass auch ein Hund nicht alles und jeden mag und auf manche Dinge etwas „lautstark“ reagiert. Schließlich mag auch nicht jeder Mensch seinen Gegenüber.
    Liebe Grüße, Julia mit Jack & Jessy

    PS. Deine Skadi ist wirklich ein Prachtexemplar 🙂

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