Deprivation bei Hunden

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Wenn ich auf meinem Blog über Skadi schreibe, dann sind es meistens tolle und lustige Alltagsgeschichten. Aber manchmal, wenn ich über Themen wie z. B. Stress oder über reaktive Hunde schreibe, komme ich nicht umher auch von Skadis Problemen zu schreiben. Und oft erwähne ich auch das diese Probleme auf Grund eines sogenannten Deprivationssyndroms auftreten.

Aber was ist ein Deprivationssyndrom?

Deprivation kommt von dem lateinischen „deprivare“ und bedeutet „berauben“. Syndrom kommt aus dem griechischen „syndromos“ und bedeutet so viel wie „zusammentreffend, begleitend“. Das heißt dass das Zusammentreffen mehrere Symptome sich ursächlich in Zusammenhang bringen lassen.

Ein Deprivationssyndrom beschreibt also Symptome die auf einen Mangel an Umgebungsreizen in der Jugend des Hundes zurückzuführen sind. Es wird unterschieden zwischen solchen, die einen Mangel an Umweltreizen zu Grunde liegen und solchen, die durch fehlende soziale Reize entstanden sind. Deprivationssyndrom fasst die Schäden in einem Überbegriff zusammen.

Deprivierte Hunde haben in der Regel während ihrer Präge- und Sozialisierungsphase (also als Welpe bis zur 16. Woche)  keine oder kaum Umweltreize kennengelernt die für das Leben in ihrer späteren Umwelt notwendig sind. Das heißt, dass die Fähigkeit dieser Hunde sich mit ihrer (ständig verändernden und von der Kinderstube) abweichenden Umwelt auseinanderzusetzen gegen 0 geht. Das liegt daran, das sich das Gehirn eines Welpen zum Großteil erst zwischen der dritten Lebenswoche und dem dritten Lebensmonat unter Einfluss von Sinnesreizen entwickelt. Kommen keine oder kaum Sinnesreize bei den Nervenzellen an, so werden diese einfach „gelöscht“, sprich keine Synapsen ausgebildet und somit kein „Verhaltensrepertoire“ angelegt auf die der Hund in der jeweiligen Situation zurückgreifen könnte.

 wie entsteht ein Deprivationssyndrom?

Ein Deprivationssyndrom entsteht zum Beispiel durch schlechte Haltungsbedingungen und Reizmangel in der Jugendphase des Hundes. Das heißt, wenn der Welpenwurf nur in einem Zwinger, Holzverschlag oder generell Isoliert aufgewachsen ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß ist das die Welpen im späteren Leben mit dem Großteil der Umweltreize überfordert sind und an den Symptomen eines Deprivationssyndromes leiden werden.

Auch eine schlecht sozialisierte Mutterhündin hat Einfluss auf die Welpenentwicklung, genauso wie der Umgang mit den Welpen durch Menschen oder andere Hunde trägt dazu bei.

Wie äußert sich ein Deprivationssyndrom?

Hunde mit einem Deprivationssyndrom sind in der Regel scheu und gehemmt. Sie wirken permanent als fühlten sie sich fehl am Platz und Überfordert aber auch apathisch, ängstlich, unsicher und vorsichtig sowie hektisch und hyperaktiv sind möglich. Dies äußert sich besonders in ungewohnter Umgebung, oder/und in der Gesellschaft von fremden Menschen, Tiere oder Gegenständen. Auch zeigen sie häufig Stereotypien wie Kreiseln, Wundlecken, Dauerbellen … .

Diesen Hunden fällt es schwer sich auf neue Dinge „einzulassen“ und „gelassen entgegenzublicken“. Sie haben ebenfalls Probleme den Alltag ungestresst zu bewältigen oder gar zu entspannen oder zu schlafen. Langes konzentrieren oder lernen fällt diesen Hunden ebenso schwer wie in fremder Umgebung zu Ruhe zu kommen. Diese Hunde haben unter Umständen ebenfalls Probleme damit die Körpersprache von Artgenossen oder Menschen zu lesen, auch sind sie in der Kommunikation mit diesen sehr unbeholfen, wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Einige Hunde versuchen dann in solchen Situationen zu flüchten, gelingt dies nicht, erstarren sie oder werden (Angst-)Aggressiv. Je nachdem welches Repertoire ihnen in der Vergangenheit die meisten Erfolge in der Situationsbewältigung beschert hat.

Für das Landleben gerüstet – in der Stadt hoffnungslos überfordert

Wie gehe ich mit einem Hund mit Deprivationssyndrom um?

Verständnisvoll. Und die Ängste des Hundes müssen ernst genommen werden. Ein herunterspielen oder gar ignorieren hilft dem Hund überhaupt nicht weiter und macht das ganze nur noch schlimmer. Das heißt, man muss lernen seinen deprivierten Hund zu lesen, zu erkennen wann ihm eine Situation zu viel wird und seinen Hund dann aus dieser Situation herausholen. Im Haus genügend Rückzugsorte anbieten und dafür sorgen das der Hund zu Ruhe kommen kann. Trubel und Hektik müssen vermieden werden dafür können aber geregelte Tagesabläufe ungemein helfen. An neue Situationen oder generell Veränderungen im Umfeld sollte der Hund vorsichtig und Stück für Stück herangeführt werden.

Wie gestalte ich das Training?

Das Training muss sehr sorgfältig und vorausschauend gestaltet werden. Trainiert wird immer unterhalb der Reizschwelle. Das heißt, das Objekt vor dem Hund Angst hat, ist soweit weg wie nötig und so nahe wie möglich sodass der Hund nicht eskaliert und sich noch wohl fühlt.

Auch unangenehme Situationen sollten so abgeschwächt trainiert werden sodas der Hund die Situation gut aushalten kann.

Bei Skadi habe ich mit Zeigen und Benennen gearbeitet und gemeinsam sehr gute Erfolge erzielt. Allerdings ist und bleibt Skadi ein Hund den man nicht einfach so „laufen“ lassen kann – insbesondere in Situationen wo sie auf Menschen trifft.

Ich muss aber in jedem Fall ganz klar zu einem Trainer raten der sich mit deprivierten Hunden auskennt. Allein und ohne die nötige Erfahrung mit Angsthunden ist ein solches Training fast nicht machbar! Denn jede Eskalation ist eine Eskalation zu viel und würde das Training immer wieder zurückwerfen.

Gibt es Heilung?

Eine Heilung gibt es nicht. Ein Deprivationssyndrom besteht ein Leben lang. Jedoch kann man die Symptome und Schäden durch gezieltes Training kompensieren und managen – auch bei schwerwiegenden Fällen lassen sich gute Erfolge erzielen. Wichtig ist dass der Hund möglichst viele angenehme und positive Lernerfahrungen sammelt damit dieser sich ein Verhaltensrepertoire für Situationen die ihn ängstigen aufbauen kann auf die er dann zurückgreifen kann.

In schwerwiegenden Fällen können auf bestimmte Medikamente helfen, hierbei ist jedoch unbedingt Rücksprache mit einem guten(!) Tierarzt zu halten.

Weiterführende Links und Literatur

Leben will gelernt sein (Klick aufs Buch für weitere Infos) von Birgit Laser gehört für mich zum „Must have“ im Bücherregal wenn es um das Thema Deprivation bei Hunden geht.

 

 

angsthund.de ist eine Interessengemeinschaft von Angsthundehaltern mit „Mutmachforum“ 🙂

 

 

6 Kommentare

  1. Ohja ! Mit Deprivationsschäden ist nicht zu spaßen.

    Ich habe gerade einen Kundenhund in meinem Training der am Deprivationssysndrom leidet.

    Mit Ihnen zu Arbeiten bedeutet sehr viel feingefühl und genaues Timing – sie sind reine Nervenbündel und können von jetzt auf gleich explodieren.

    P.S. Guter Artikel 🙂 🙂

    LG, Carola mit Deco und Pippa

    P.P.S. Irgendwie habe ich immer das Problem das ich euren Blog über den PC / Laptop nicht richtig lesen kann. Es fehlen immer verschiedene Buchstaben im Bericht. Irgendwie verwirrend….

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