„der ist von Privat!“

Jemand der die Absicht hat sein zukünftiges Leben mit einem Hund zu teilen muss im Vorfeld viele Überlegungen anstellen. Die Frage ob ein Hund überhaupt in das eigene Leben passt ist meiner Meinung nach mit die wichtigste Frage die beantwortet werden sollte. Und da spreche ich nicht von den nächsten Wochen (wie viele Junghunde im ebay „umständehalber“ mit gerade sechs oder sieben Monaten abgegeben werden ist unglaublich … eine Schande!) sondern von mind. 10 bis 15 Jahren. Wenn man Glück hat noch länger.

Hat man diese Frage für sich geklärt und die Entscheidung ist für einen Hund gefallen kommt gleich die nächste Frage: Welcher Hund und von wo? Mittlerweile findet man so gut wie jede Hunderasse im Tierschutz – Auslandsshelter und -tierschutz oder heimisches Tierheim spielt dabei keine Rolle. Auch gibt es Rassespezifische „xxx in Not“-Seiten im Internet die sich speziell auf eine Hunderasse und deren Mixe festgelegt haben. Werden vom Hund spezielle genetische Veranlagungen erwartet wird der Gang zum Züchter unausweichlich sein.

Und nein, ich finde nicht das man Rassehunde auch „von Privat“ kaufen kann. „Von Privat“ ist die nette Umschreibung von Menschen die ihre Hunde bei Vermehrern gekauft haben. Diese Menschen wissen das natürlich, aber „von Privat“ hört sich besser an als „vom Vermehrer gekauft“. Ich glaube, solche Leute belügen sich ein wenig selbst und erleichtern ihr Gewissen oberflächlich. Das sie eine genetische Wundertüte haben scheint diesen Menschen nicht wichtig zu sein. HD? ED? MDR1? DCM? Wen juckts … der Hund war halt günstig.

Mischlinge werden ja auch ganz gerne „von Privat“ gekauft. Manche Kreuzungen erhalten sogar Designernamen wie Vizlador, Puggle, Havipoos oder wahllos gedoodletes. Für diese Hunde wird sogar ein Kaufpreis verlangt der den der gekreutzen Hunde gleicht oder um mehrere Hundert Euro übersteigt. Die Gewinnspanne bei solchen vermeintlichen Designerhunden ist enorm – der Vermehrer hat ja eigentlich keine Kosten – keine Decktaxe, kein Verein der bezahlt werden will und keine Papiere die beantragt werden müssen.

Havipoos, Mischlinge für 700 EUR …

Wenn man Glück hat bekommt man seine Designermixe durchgeimpft und gechippt – nur um den Anschein von Seriosität zu erwecken. Bei normalen Mischlingen oder „Rasse“verpaarungen passiert selbst das noch nicht mal regelmäßig. Ganz ehrlich? Bei manchen Anzeigen und den dazu eingestellten Fotos denke ich mir oft dass das einfach nur die Aufbesserung des H4 Satzes ist. So ein Jack Russel Wurf kann man zur Not auch im Wohnzimmer beherbergen. Das Finanzamt müsste da mal Bescheid wissen – und das Amt auch.

Auch gibt es Menschen die sich bewusst sind einen Vermehrer unterstützt zu haben, aus Mitleid. Denen plagen dann schreckliche Gewissensbisse weil die Mutter der Welpen Wurf um Wurf gebären muss um die Produktion am laufen zu halten. In solchen Fällen kann ich nur raten hart zu bleiben. Ansonsten wird sich einfach nichts ändern. Nehmt euch eine Begleitperson mit die beim Anblick von kleinen süßen Welpis nicht gleich rosarote Herzis in den Augen hat. Diese Person muss sich dann objektiv für oder gegen den Züchter/Vermehrer aussprechen. Bei hundhoch3 könnt ihr einen Erfahrungsbericht und die Geschichte von Lana – einem Vermehrerwelpen – nachlesen.

Ich bin da sehr rigoros mit meinem Urteil. Selbst meine damalige beste Freundin hat mit ihrer Collie Hündin einen Mischlingswurf produziert. Warum? Die Decktaxe eines reinrassigen Collies war einfach zu hoch. Außerdem hatte sie nicht das Geld und die Zeit ihre Hündin auf Ausstellungen vorzuführen etc. um einen Wurf mit Papieren züchten zu können. Gleichwohl muss ich aber sagen das die Welpen eine gute Aufzucht hatten mit allen Pipapo. Diese Welpen wurden mit einem goldenen Löffel im Maul geboren. Ein Rüde aus dieser Vermehrung wird leider immer noch als Deckrüde angeboten um „seine guten Gene zu verbreiten“ und „weil man von dieser Mischung überzeugt sei“. Diese, mittlerweile nur noch Bekannte kennt meine Meinung zu Vermehrern. Bisher hat sie auch nicht noch einmal Welpen produziert …. .

Übrigens – Hier könnt ihr eine Auflistung eines Züchters und deren Kosten ersehen. Um auch Hunde größerer Rassen abzudecken hier auch noch einmal eine Auflistung. Und weil alle guten Dinge drei sind: klick. Wenn ihr nun mal nur die Kosten zusammenrechnet, die die Welpen „von Privat“ verursachen könnt ihr ganz leicht ersehen wie hoch die Gewinnspanne von Vermehrern ist. Insbesondere dann wenn die Welpen noch nie einen Tierarzt gesehen haben. Daher sind ungeimpfte und ungechippte Hunde eigentlich immer Tabu und sollten nicht im Warenkorb landen.

Auch in Facebookgruppen wird oft über dieses Thema diskutiert. Totschlagargument von Vermehrerhundebefürwortern ist das man den Hund kauft und nicht die Papiere. Nun, das stimmt nur zum Teil. Diese Papiere existieren nicht aus Spaß an der Freud. Diese Papiere existieren um die Abstammung des Hundes nachzuweisen. Das bedeutet, man weiß welche Hunde mit welchen Erbkrankheiten (und das werden in der Regel keine sein) mitgemischt haben, welche Wesenszüge diese Eltern hatten und ob ggf. sportliche Erfolge vorhanden sind. Die Wahrscheinlichkeit einen genetisch verkorksten Hund mit dem Wesen einer Kreissäge zu bekommen ist um ein vielfaches geringer als bei Hunden ohne Papiere. Ernsthafte Hundesportler studieren Züchter, Zuchtlinien, Elterntiere und Ahnentafeln meist über mehrere Monate lang um den für sie perfekten Welpen zu bekommen. Schließlich – wer will schon einen kranken verkorksten Welpen?

Die nächste Argumentationskette der Vermehrerhundebeführworter? Züchter sind alle Scheiße – man schaue sich mal die Qualzuchten an, oder was aus dem Schäferhund geworden ist …. . Da plädiere ich nur an den gesunden Menschenverstand. Sicherlich gibt es auch schwarze Schafe unter Verbandszüchtern aber wie gesagt, es gibt Menschen die über mehrere Monate Züchter, Zuchtlinien und Ahnentafeln vergleichen … sicherlich nicht zum Spaß. Außerdem: Der Verstand sollte eben nicht an der Haustür des Züchters abgegeben werden. Aggressive Mutterhündin, gar keine Mutterhündin, dunkle Bretterverschläge als Zuchtanlage oder ähnliches sollten Grund sein auf den Hacken kehrt zu machen! Egal ob es sich dabei um „seriöse“ Züchter/Vermehrer handelt, Hunde aus dem Tierschutz auf sog. Pflegestellen oder sonst was. So schwer kann das eigentlich nicht. sein.

Zum Glück stehe ich mit meiner Meinung nicht alleine, denn eine ähnliche Meinung haben auch meine Bloggerkollegen von hundhoch3, yorkshireterrierblog, i´s about Dogs and Chiru und Beagle Timmy. Ich hoffe, dass all diese Artikel und Blogposts dazu beitragen werden Vermehrern die Tour zu versemmeln.

Und wie sieht es bei euch aus? Von wo kommen eure Hunde? Züchter? Tierheim? Ausland? Vermehrer? Und warum habt ihr euch gerade dafür entschieden?!

1 Kommentare

  1. Pingback: Ein Hund zieht ein - eine "to-do"-Liste für alle baldigen Hundehalter | Pfotenfreunde Inuki & Skadi

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