Doppelter Rückruf

Zu Frauchen kommen
oder lieber schnüffeln?
Der perfekte Rückruf – jeder Hundehalter träumt von ihm. Seinen Hund in jeder Lebenslage, sei es aus dem Spiel oder aus der Jagd nach Hasen abrufen zu können, ist das Ziel vieler Hundehalter. Doch leider ist dies mehr Wunschdenken statt tatsächlicher Sachverhalt. 
Nicht selten sieht man Hundehalter, die durchgeschwitzt und mit rotem Kopf versuchen ihren Hund einzufangen – während dieser lieber ein Katz und Maus Spiel mit seinem hilflosen Halter spielt. Doch wie können wir dem entgegen wirken? 
Warum der Rückruf so wichtig ist
Doch warum ist der Rückruf gleichermaßen schwer wie wichtig? Gute Frage, ich denke, viele sehen den Rückruf als selbstverständlich an und üben diesen nicht genug oder richtig. Die wenigstens wissen, das der Rückruf aus vielen verschiedenen Aktionen besteht – nämlich die bisher gemachte „Wunsch“-Aktion des Hundes unterbrechen, umdrehen, umorientieren zum HF und dann auch noch auf den HF zukommen. Und dass alles auf direktem Weg ohne sich noch mal ablenken zu lassen. Das sind insgesamt vier Aktionen, wobei die erste natürlich die schwierigste ist. Natürlich liegt es immer am jeweiligen Hund ob es nun für ihn wichtiger ist die Ausgangsaktion abzubrechen oder eben nicht, der eine Hund findet wälzen toll, der andere hält das Spiel mit Artgenossen für das non plus Ultra und denkt garnicht dran zu Frauchen zurück zu kommen, warum auch? Was kann Frauchen schon bieten?
Das der Rückruf unter Umständen Leben rettet – und vielleicht nicht nur das des eigenen Hundes – steht außer Frage, aber das weiß natürlich der Hund selbst nicht. Deswegen ist das Rückruftraining auch so wichtig, damit der Rückruf zu einer „generalisierten Handlung“ wird und der Hund nicht mehr nachdenkt ob er nun will oder nicht wenn das Signal ertönt, sondern sich automatisch zum Halter umorientiert und zurück kommt. 
Trainingsmethoden
Doch wie trainiert man so einen Rückruf nun? Es gibt viele verschiedene Methoden um diesen Rückruf zu trainieren. Doch für mich hat sich der doppelte Rückruf als die Lösung erwiesen. 
Der doppelte Rückruf besteht aus einem Umorientierungssignal und einem Anker.
Das erste Signal, das Umorientierungssignal (UOS), ist das Signal, welches dem Hund sagt „Hey, hier bin ich, schenk mir deine Aufmerksamkeit!“. Es ist also ein Aufmerksamkeitswechsel und gleichzeitig auch ein Abbruchkommando, schließlich bricht der Hund sein Verhalten ab und wendet sich seinem Menschen zu. Dieses Signal soll immer belohnt werden, schließlich ist ein Aufmerksamkeitswechsel nicht selbstverständlich für den Hund. Unser UOS ist ein Pfiff oder auch Name+Hiiiieeer. 
Das zweite ist der Anker, welches als „renne zu mir“-Signal gebraucht wird. Bei mir sind das zwei kurze Pfiffe die wiederholend hintereinander gegeben werden und je näher der Hund kommt, desto hektischer gebe ich sie. 
Zusammengesetzt sieht unser DRR dann so aus:
1xPfiff -> Umorientierung -> (2xkurze wiederholende Pfiffe -> Hund rennt zu einem) -> Hund ist angekommen -> Jackpot
Aufbau
Ich baue beide Signale getrennt voneinander auf. Bei dem UOS fange ich in reizarmer Umgebung an den Hund auf das entsprechende Signal zu konditionieren. Der Hund ist also im ersten Schritt neben euch und muss noch garnichts machen. Ihr gebt das entsprechende Signal, c+b. Ihr wählt natürlich ein für den Hund eine möglichst hochwertige Belohnung. Der Hund lernt also erstmal dass das Signal ultra geil ist. Kündigt immerhin was super duper tolles an. Im zweiten Schritt gibts das Futter erst, wenn sich der Hund auch tatsächlich umorientiert. Nach und nach erweitert ihr die Distanz zu euch. Ihr habt nun also einen einfachen Rückruf konditioniert.
Das Ankersignal funktioniert im Aufbau ähnlich. Nur das ich erstmal das zu mir kommen des Hundes generell mit dem Signal kommentiere und immer belohne. Egal ob ich gerufen habe oder nicht, in jedem Fall gibts was tolles. 
Wenn beide Signale super klappen, fängt man an beide zu kombinieren. Und nicht vergessen: Belohnen! Und Belohnung ist nicht gleich Belohnung. Für den einen Hund ist Leberwurst das tollste der Welt, ein anderer würde für ein tolles Ballspiel sterben. Auch Wälzen, Schnüffeln gehen, etc. sind tolle sog. Umweltbelohnungen und sollten nicht vergessen werden. So lasse ich Inuki zum Beispiel vor einem Baum, zu dem er gerne hin und Schnüffeln möchte, ein Kommando ausführen und als Belohung lasse ich ihn dann das tun, was er sowieso wollte. Schließlich ist in dem Moment für Inuki das schnüffeln das was er eigentlich möchte und in dem Moment toll findet, und nicht irgendein Leckerlie. Genauso kann es in einer anderen Situation natürlich auch umgekehrt sein. 
Warum ist der doppelte Rückruf so erfolgreich?
Belohnungstechnisch ist der DRR super abwechslungsreich und wurde mit verschieden Bestärkern verknüft, und zum anderen wirkt der Anker teritär, das bedeutet, der Anker kündigt einen sekundären Bestärker (c+b, klasse, fein, was auch immer) an und signalisiert dem Hund kontinuirlich alle paar Meter, dass was du gerade jetzt machst, ist toll und mach es weiter. Anfeuern würde der gemeine Hundehalter es nennen. Oder auch intermediäre Brücke oder eben Ankersignal.
Ganz im Gegensatz zum einfach Rückruf erinnert der DRR mit seinem Ankersignal den Hund die ganze Zeit daran was er zu tun hat. Und so lässt sich der Hund auf dem Weg nicht so leicht von anderen reizvollen Dingen ablenken und der HF verschwindet nicht aus dem Gedächnis des Hundes. Ein einfacher RR wird ja nur einmal gegeben damit es sich nicht abnutzt, der Anker wird kontinuirrlich gegeben. Es kann sich nicht abnutzten da er ja nur ertönt wenn der Hund das richtige tut.
Übt den DRR in allen Situationen! Man kann ihn klasse auf Spaziergängen einbauen. Und noch mal, ich kann es nicht oft genug erwähnen, die Belohnung! Wählt sie variabel und lasst sie so nah wie möglich an die eigentliche Motivation des Hundes heran kommen. Z. B. beim Abruf vom Schnüffeln ein Futtersuchspiel, beim Abruf vom Wild hetzen darf der Hund einen Ball oder ein Spielzeug hinterher hetzen und so alternative Beute machen. Wenn Ihr nur Futter wählt, weiß der Hund dass Futter auf Ihn wartet und wägt vielleicht ab und entscheidet sich im Ernstfall für den Hasen und nicht für euch und dem Futter. Auch das Futter selber kann man varieren. So gibts mal ne Futtertube, ein ander mal Fleischwurst oder Käse. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und bei Welpen haben die meisten diese Art des RR ja sowieso schon benutzt, nur leider nie als einzelne, sichere Signale aufgebaut.
Der Rückruf ist reine Fleißarbeit! 

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