Gedanken zur Kastration

Wie ich bereits in meinem Post Wir sind wieder da angeschnitten habe, wurde Skadi Mitte/Ende September kastriert. Ob ich diese Entscheidung bereue kann ich noch nicht sagen, dazu fehlt uns die „Langzeitstudie“ welche ich sicherlich in einigen Monaten nachreichen werde.

Warum kastrieren?

Aber nun zu dem warum. Wer mich kennt, der weiß dass ich Kastrationen sehr kritisch gegenüber stehe. Meiner Meinung nach wird die Kastration viel zu leichtfertig durchgeführt und als „Allheilmittel“ betitelt. Der Hund ist Aggressiv? Dann kastrieren! Der Hund rammelt? Dann kastrieren. Der Hund ist Dominant? Dann kastrieren (wobei Dominanz ein eigenes Thema fast schon wert ist). Der Hund hört nicht? Dann kastrieren. Es gibt also für jedes Problem eine Kastration – oder das entsprechende Training (was auch in vielen Fällen nach der Kastration nötig sein wird).

Aber Skadi wurde wegen keines der genannten Probleme kastriert. Sie wurde kastriert weil wir sowohl Rüde als auch Hündin im Haushalt haben. Der Rüde, also Inuki, hatte bisher eine chemische Kastration – den Suprelorin Chip. Dieser ist jetzt seit gut 18 Monaten in seinem Körper und hemmt seinen Sexualtrieb. Eigentlich sollte er bereits nach 12 Monaten seine Wirkung verlieren aber Pustekuchen. Da wir also nicht genau wissen wann er wieder „intakt“ sein wird und Skadi selbst vor, während und nach der Läufigkeit sehr gestresst und zickig ist (wir haben also pro Läufigkeitszyklus zwei ruhige und entspannte Monate wo Inuki und Skadi auch gerne mal miteinander spielen) haben wir uns nach reichlich Überlegung für eine Kastration entschieden.

Überlegungen

Skadi wird im Januar drei Jahre alt, hat jetzt 5 Läufigkeiten durch gemacht. Bis zur vierten Läufigkeit ist sie mental mit jeder Läufigkeit reifer geworden. Meiner Meinung nach ist dies jetzt der richtige Zeitpunkt für die Kastration (sofern man davon je sprechen kann). Sowohl körperlich als auch geistig ist sie jetzt erwachsen. Wir haben sie mit Absicht jetzt kastrieren lassen, sprich drei Monate nach und vor der Läufigkeit in der Hoffnung das sie quasi „eingefroren“ wird. Ich bin gespannt in wie weit sie sich verändern wird –  ob sie sich überhaupt verändert. Ich hoffe, sie bleibt einfach so wie sie jetzt ist.

Vor- und Nachteile

Natürlich haben wir uns auch viel mit den Nachteilen der Kastration beschäftigt. Die üblichen Verdächtigen:

  • wenn vor einem alter von 1 Jahr durchgeführt, steigt das Risiko für Osteosarkom (Knochenkrebs) erheblich an; dies ist ein häufiger Krebs bei mittelgroßen bis großen Rassen mit schlechter Prognose.
  • sie erhöht das Risiko für Hämangiosarkom (Blutgefäßkrebs) in der Milz um das 2,2-fache und im Herz um das über 5-fache; dies ist ein häufiger Krebs und Haupttodesursache bei einigen Rassen
  • verdreifacht das Risiko für Schilddrüsenunterfunktion
  • erhöht das Risiko für Fettleibigkeit um das 1,6-2 -fache, ein häufiges Gesundheitsproblem bei Hunden, mit vielen damit zusammenhängenden anderen Gesundheitsproblemen (z.B. HD, aus einer anderen Studie)
  • sie verursacht Inkontinenz bei 4-20% der Hündinnen
  • sie erhöht das Risiko für ständige oder chronische Harnwegsinfekte um das 3-4 fache
  • sie erhöht das Risiko für eine nach innen Wölbung der Vulva, vaginaler Dermatitis und Vaginitis, besonders für Hündinnen, die vor der Pubertät kastriert werden
  • sie verdoppelt das geringe Risiko (< 1%) für Blasenkrebs
  • sie erhöht das Risiko für orthopädische Erkrankungen
  • sie erhöht das Risiko für Impfnebenwirkungen (um 30%)
  • Fellveränderungen (Bildung von sog. Welpenfell)

Hinzu kommen natürlich auch OP-Risiken und Narkoserisiken.

Dagegen natürlich auch Vorteile:

  • Eine Kastration mit/bis  2.5 Jahren reduziert das Risiko von „Mamatumoren“ (häufigste Tumorerkrankung bei Hündinnen
  • Nach einer Kastration kann die Hündin nicht mehr an Pyometra erkranken (bei 23% tritt eine Pyometra auf, ca. 1 % der intakten Hündinnen sterben an Pyometra)
  • reduziertes Risiko von Dammfisteln
  • reduziertes Risiko (≤0.5%, also ziemlich wenig) von Gebärmutterkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Eierstocktumoren
Quelle

Ihr seht also, beides hat Vor- und Nachteile. Wenn ich die Wahl hätte würden sowohl Rüde als auch Hündin bei mir intakt bleiben. Allerdings ist mir das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit viel zu hoch und das möchte ich meiner kleinen Skadi einfach nicht zumuten (Inuki ist 3x so schwer wie sie!), außerdem lehne ich Mischlingsverpaarungen ab. Das heißt aber nicht das ich generell keine Mischlinge mag!

Kastrationsverlauf

So kam es also das Skadi kastriert wurde. Die OP selbst verlief ohne Probleme. Wir brachten sie morgens um 8 Uhr hin und holten sie gegen 9:45 Uhr wieder ab. Wir warteten mit ihr noch ab bis sie wieder einigermaßen klar im Kopf und die Aufwachphase hinter sich gebracht hatte und brachten sie ins Auto. Vom Tierarzt bekam sie noch einen Body und Antibiotika für 5 Tage. Nach 12 Tagen sollen die Fäden gezogen werden.

wach werden – nur schön eingepackt

Bis Skadi wieder laufen konnte, dauerte es noch 5 bis 6 Stunden. Dann waren kleine Pippirunden wieder möglich. Aber dennoch schlief sie die nächsten 4 Tage ununterbrochen durch. Erst am Samstag wurde sie munter, wollte springen und toben. Durfte sie nur noch nicht. Als Protest für den verhängten Leinenzwang zog sie sich dann am 9. Tag nach der OP die Fäden selbst (der Body war in der Wäsche und das T-Shirt in der Nacht wohl nicht standhaft genug :(). Leider platzte dabei ein Teil der oberen Naht wieder auf. Der untere Teil sah vorbildlich verheilt aus. Am nächsten Tag besuchten wir also den Tierarzt erneut und Skadi wurde getackert. Erneuter Leinenzwang, tägliche Desinfektion und kein wildes Spiel mehr. 5 Tage später wurden die Tackernadeln wieder gezogen und laut des TIerarztes ist alles gut verteilt. Die Terrorzwergin darf wieder loslegen. Zum Glück!

Fazit

Bei uns war die Kastration also ein etwas komplizierteres Angehen aber letztendlich haben wir es alle gut überstanden. Ob und wie Skadi sich verändern wird kann ich natürlich noch nicht sagen. Auch nicht, ob ich die Kastration bereue. Ich denke, in einigen Monaten werde ich hierzu ein erstes kleines Fazit geben können.

Fest steht jedoch für mich, dass ich mir jede Kastration 5x überlegen werde, eventuelle Vor- und Nachteile immer wieder abwäge und vor allen Dingen, den Hund erstmal erwachsen werden lasse. Zu beachten ist natürlich die jeweilige Rasse – manche brauchen länger um vom Kopf her erwachsen zu werden als andere Rassen.

Auch einige Zeit nach der Kastration noch sehr verschlafen

Bei meinen Recherchen, insbesondere in Working Cocker Spaniel Gruppen (ich wollte wissen inwieweit sich das Fell verändert) wo die meisten der Gruppenmitglieder in UK leben, ist eine Frühkastration mit 6 Monaten total normal und gang und gäbe! Für mich ein totales NO GO.

Eine Kastration sollte also meiner Meinung nach immer eine Einzelfallentscheidung bleiben und keine Pauschallösung sein.

 

Mit der Kastration haben sich auch beschäftigt:

Issnruede.de

Hundekind Abby

hundundich.de

7 Kommentare

  1. Socke-nHalterin

    Ich bin froh, dass wir diese Entscheidung mit Socke nicht treffen musste. Socke wurde nach ihrem 2. Wurf kastriert.

    Mögen sich Eure Wünsche und Hoffnungen, die Ihr mit der Kastration verfolgt habt, in Erfüllung gehen…..

    Ich weiß aber, dass Ihr Euch mit dem Thema gründlich auseinandergesetzt habt und das finde ich gut und wichtig….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Ohja Sabine. Wir haben echt lange (also bestimmt mehr als 1 Jahr überlegt).

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki und Skadi

  2. Wir überlegen auch noch unsere Hundin sterilisieren zu lassen, tuen uns aber noch schweer mit der Entscheidung. Wir wollen Sie zwar nie werfen lassen, aber es ist schon ein harter Eingriff der uns nicht leicht fallen wird.

    Gruß

    • Ja, das ist. Schließlich wird der Bauch aufgeschnitten. Man stelle sich das einmal bei einem Menschen vor. Überlegt es euch gut!

      Liebste Grüße
      Dani mit Inuki und Skadi

  3. Bei uns ist das natürlich auch ein Thema, gedanklich zumindest.
    Du sprichst aber einen ganz wichtigen Punkt an, den viele Hundehalter nicht wissen, oder nicht wissen wollen: durch eine Kastration hat man nicht automatisch einen wohlerzogenen Hund.

    Ich meine damit so Dinge wie Leinenpöbeln z.B. das ist etwas, was ich erst raus haben will, um überhaupt ernsthaft über chipen oder weitere Maßnahme nachdenken zu können.

    Sammy ist sowieso noch zu jung und von daher ist das zwar etwas, worüber wir nachdenken, aber mehr auch nicht.

    Er rammelt nicht und auch ansonsten macht er große Fortschritte, so dass ich eher geneigt bin, ihn intakt zu lassen. Wir werden sehen 🙂

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