Gruppenzwang auf dem Hundeplatz – wenn man tut was man eigentlich nicht will …

In der SitzPlatzFuss 22 hat Nicole Röder einen Artikel veröffentlicht in dem es um Gruppenzwang auf dem Hundeplatz in Vereinen geht. Sie sagt, das es kaum einer wagen würde die Methoden oder das angewandte Wissen dort öffentlich in Frage zu stellen. Aus Angst vor sozialen Konsequenzen innerhalb der Gruppe/Gemeinschaft nimmt man die Situation dann hin auch wenn es einem eigentlich widerstrebt. Mein erster gedanke war „Haben die Hundehalter denn alle keinen Arsch in der Hose?!“.

Nun, leider muss ich mir in dieser Hinsicht an die eigene Nase fassen. Auch ich habe schon mal Dinge mit meinem Hund machen lassen die ich währenddessen und jetzt im Nachhinein überhaupt nicht toll fand.

Damals war ich süße 17 Jahre alt und stand mit unserem damaligen Hund Ghandi in der Junghundegruppe auf dem Platz. Der Übungsleiuter war Hobbyjäger, standartmäßig in der grünen Kutte und Flecktarn gekleidet. Sein Hund ein deutsch Drahthaar der bei jeder Übungsstunde mit anwesend gewesen ist. Sein Charakter … eher schwierig. Wie im Artikel beschrieben bellte er die Kommandos. Wie man seinem Hund etwas beibringt wurde nicht gezeigt. Nur was man ihm sagen soll wurde gebrüllt „… Sitz …. Fuß ….. Platz … vom Hund entfernen …. Abrufen … “ waren die einzigen Worte die seinen Mund verließen. Es erinnerte eher an Drill statt an Training oder Anleitung.

Viele Junghunde hatten Probleme das Fuß ordnungsgemäß zu laufen. Übrigens hieß hier Fuß nicht unbedingt Fuß was ich hier erklärt habe sondern nur das stumpfe auf Kniehöhe neben dem Halter her laufen. Mehr nicht. Ich meine, wenn man in einer Gruppenübungsstunde die ganze Zeit im Kreis Fuß laufen soll kann ich mir schon vorstellen das ein Junghundkopf wo mehr bunte Knete als sonstiges ist ganz schnell den Spass und die Motivation verliert … und wenn man als Teilnehmer der Übungstunde nicht erklärt bekommt wie man dem Hund selbst erklärt was man von ihm möchte …. nun, da hat man dann ganz schnell einen Tennisarm weil der Hund zieht und man als Antwort darauf Rucken soll … dem Hund soll schließlich verbal und körperlich klar gemacht werden das wir hier nicht zum Vergnügen. Es baut sich Frust auf beiden Seiten der Leine auf, der Hundeplatz wird zum Horrortrip.

Auch ich habe geruckt. Nur leider fand der Flecktarndrillinstructor dass das ein Mädchenrucken sei und nahm mir den Ghandi aus der Hand. Er wolle mir mal zeigen wie man es „richtig“ macht. Es kam wie es kommen musste, er ließ Ghandi in die Leine laufen und ruckte, nein er zog Ghandi so heftig zurück das er 2 Meter weiter hinter dem sog. Übungsleiter flog (Ghandi hatte kein Geschirr an. Fortan fand Ghandi auch Männer so richtig scheiße …). Ich muss, glaube ich, nicht erwähnen das die Aktion überflüssig gewesen ist, Ghandi verstand danach immer noch nicht was „Fuß“ ist.


Gesagt habe ich damals nichts. Ich habe auch nicht gefragt welches Sinn das hatte, ich hatte Angst ihn zu kritisieren. Da waren 15 andere Hundehalter die ebenfalls nichts sagten. Ich weiß nicht ob sie sich so hilflos wie ich fühlten oder ob sie ihm einfach hörig waren. Und irgendwie hatte ich auch nicht den Arsch in der Hose zu fragen ob ich in eine andere Gruppe kann…

Als wir dann soweit (die Kriterien kann ich bis heute nicht nachvollziehen) waren kamen Ghandi und ich in eine andere Gruppe, die BGVP Vorbereitungsgruppe. Auch hier das Kreis laufen an der Tagesordnung. Das Training war nicht grob oder dergleichen aber trotzdem sinnlos. Die ganze Stunde bestand ebenfalls wieder daraus die Aufmerksamkeit seines Hundes zu bekommen. Anleitung des Trainers?! Quatsche deinen Hund voll! Erzähle ihm die Sonderangebote von Aldi, hauptsache er ist bei dir (?!). Auch dieses Training ist so fruchtlos wie die Wüste gewesen.

Letztendlich war dies der Punkt an dem ich mich fragte welches Sinn das Training in dieser Form überhaupt macht, ob ich so etwas weiter machen will. Schließlich macht es weder mir noch dem Hund Spass.

Im Grunde muss ich dem Hobbyjäger jedoch danken. Er und seine Trainingsmethoden waren der Grund das ich mich mehr mit dem Hundetraining ansich und den Lerntheorien beschäftigte. Schlussendlich bin ich dann auch dank ihm beim Clicker gelandet. Ich besuchte Seminare und Workshops, las verschiedenste Bücher und bildete mir die ein oder/und andere Meinung über das Training mit Hunden.

Durch das mit angeignete Wissen fand ich meinen Weg und wurde zum Klugscheißer. Das passte den anderen Übungsleiterin so garnicht. Schließlich hinterfragte ich plötzlich das ein oder andere. Und andere Teilnehmer fragten mich wie denn das eine oder andere bei uns auftrainiert wurde. Klar, das sich dann der Übungsleiter auf dem Schlips getreten fühlt der von Hundetraining so viel Ahnung wie der Bulle von Tölz hat.

Ich erinnere mich auch noch an ein Team die ziemlich lange mit dem „Fuß“ gekämpft haben, naja eigentlich war es eher ein Kampf zwischen den beiden – der arme Border Collie Fly wurde während einer Übungsstunde mehrmals aggressiv auf dem Rücken gedreht oder in den Nacken gepackt… öffentlich gesagt habe ich auch hier nix, jedoch dann mit dem Übungsleiter gesprochen dass wenn er nicht mit dem Halter spricht ich es tun würde … Als Antwort bekam ich „wir arbeiten dran“. War ich bei der Telekom gelandet?!

Schlussendlich bin ich dann ja in eine andere Stadt gezogen und fand auch hier nach einiger einen Verein in dem ich trainierte. Zum Glück wird hier im Einzeltraining gearbeitet und nix passiert ohne vorherigere Absprache. Sicherlicht sind hier die Methoden auch nicht immer komform mit dem was ich philosophiere. Aber mittlerweile habe ich den Arsch in der Hose zu sagen wie ich was trainieren möchte. Und die beiden Ausbildungswarte respektieren dies.

Ich kann nur jedem raten rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Gefällt euch was am Training nicht? Ihr habt vor der Übungsstunde Bauchweh und nach der Übungsstunde könnt ihr eurem Hund nicht mehr in die Augen sehen? Geht. Sucht euch einen anderen, passenderen Verein. Eine schriftliche Kündigung reicht in der Regel aus, so müsst ihr keinen Grund nennen oder gar Rede und Antwort stehen.

Nur wenn ihr euch im Training wohl fühlt und Spaß dran habt, hat es euer Hund auch. Das lernen stellt sich dann von selbst ein!

1 Kommentare

  1. Ein schöner Beitrag wie man für sich und seinen Hund das Training wählen sollte, welches einem gefällt!
    Auch ich habe in meiner 10jährigen Hundelaufbahn einige Hundeschulen durchlaufen und habe mich in keiner wirklich gut aufgehoben gefühlt. In der allerersten Schule wurde Ren als Welpe ständig mit Wasser überkippt da er mit seinem Bruder immer andere Welpen gemobbt hat. Ich dachte der Trainer wird schon wissen was er tut und ich stand mit Bauschmerzen daneben! Jetzt würde ich selbst einen Eimer voll Wasser nehmen und diesem dem Trainer über den kopf giessen, der das noch mal mit meinem Hund machen würde!
    Ich denke alle Hundehalter, die auch bereit sind, sich mit ihrem Hund weiterzuentwickeln, werden letztendlich bzw hoffentlich bei einem Trainer ihres Vertrauens landen!
    Wir sind nun glücklicherweise auch in guten Händen und sind seit 3 Jahren begeisterte Clickeraner geworden 🙂 Und es macht unheimlichen Spaß zu sehen welche Freude meine Hunde am Lernen haben! Und das ganz ohne Strafe!!!!!

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

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