Hilfe, die Vermenschlichung lauert uns auf – wie heimtückisch von ihr

Immer wieder hört man es. Egal ob Hundewiese oder Hundeplatz, TV oder Zeitschrift. Das größte Übel der Hundehaltung ist wohl die Vermenschlichung. Typischerweise sind immer nur jene Hundehalter betroffen die mit ihren Hunden nett, fair und äußerst respektvoll umgehen. Tja, wir haben das auch schon oft gehört, joa, ich sollte meine Hunde weniger als Kinderersatz sehen sondern mal so richtig artgerecht erziehen. Hm, also wenn mein Kinderersatz besser “hört” als so manches menschliches A*loch-Kind habe ich doch eigentlich alles richtig gemacht?! Und was ist schon artgerecht im Leben eines Hundes? Trockene staubige Brocken die mehr aus Getreide als aus Fleisch bestehen und unseren Hunden zu fressen in den Napf geschmissen werden?! Wohl nicht …

Selbstredend sind die Hundehalter, die ihre Hunde aversiv führen niemals nie Opfer der Vermenschlichung (sowohl beim Hund als auch bei sich selbst ….). Schließlich brauchen einige Hunde eine harte Hand und Konsequenz. Noch nicht mal der kleine Fingernagel darf den Hunden gegeben werden – sie fressen in Nullkommanix den ganzen Arm und mehr!

Selbstverständlich sind meine Hunde auch deshalb viel zu vermenschlicht – schließlich schlafen sie im Bett, dürfen gerne mal selber Entscheidungen treffen, bekommen teures Futter (eigentlich nur Mittelklassefutter, aber das liegt wohl  immer im persönlichen Blickwinkel) und sie gehen vor mir durch die Haustür, werden selten bis nie ausgeschimpft oder gemaßregelt …

Was ist Vermenschlichung?

Aber wie erkennt man Vermenschlichung? Was ist das eigentlich? Warum ist jeder nette Hundehalter davon betroffen?

Bei meiner Recherche habe ich gelernt das Vermenschlichung immer bedeutet

  • dass das Hündchen in Mäntelchen gezwungen wird und somit mehr Accessoire als Lebewesen ist oder
  • keine Regeln und Grenzen kennt und damit seiner Familie auf der Nase rum tanzt oder
  • im Bett/auf der Couch schläft und damit die Rangfolge in Gefahr ist oder
  • mit dem Hund gesprochen wird als wäre er ein Mensch – manchmal auch in Babysprache oder
  • für den Hund Essen gekocht wird oder
  • dem Hund menschliche Fähigkeiten zusprechen wie z. B. bewusstes Handeln, denken, fühlen oder ähnliches oder
  • dass der Hund Rudelführer ist und nicht der Mensch eben durch mangelnde “artgerechte” Erziehung des Hundes oder
  • der Mensch sich selbst nicht verhundlicht – sprich, nicht davon überzeugt ist das ein Hund eigentlich nur nach der Macht innerhalb des “Rudels” strebt oder
  • … usw.

Davon abgesehen – der VDH, der es besser wissen sollte schreibt übrigens über Vermenschlichung so etwas. Der Artikel kann ja nur aus dem letzten, frühen Jahrhundert sein. Ansonsten wäre es ein echtes Armutszeugnis für den VDH Hessen.

Warum ist Vermenschlichung so gefährlich?

Ganz ehrlich? Wenn der Hund nicht grad dass Herrchen oder Frauchen aus dem Bett schmeißt, sich dreist den Teller vom Tisch klaut wenn Frauchen noch die Gabel in der Hand hält oder andere Unarten und Erziehungsdefizite zeigt halte ich die sogenannte Vermenschlichung – sofern es sie wirklich bei Hunden gibt wie propagiert – für nicht besonders gefährlich. Regeln im Zusammenleben mit Hunden kann man auch ganz nett durchsetzen, ohne großes Geschrei, Machtkämpfe oder körperliche Maßregelungen. Das ist ganz einfach und schont den Blutdruck. Außerdem finde ich es äußerst toll und vorbildlich auf die Bedürfnisse seines Hundes Rücksicht zu nehmen.

Sicherlich, wenn der Hund als Kinderersatz dient und auch so behandelt wird, mit Kleidchen bestückt und Krallenlack, wirkt das sicher sehr befremdlich. Auch auf mich. Und ob der Hund es toll findet in einer Tragetasche durch die Gegend geschleppt zu werden sei dahingestellt.

Andererseits kann es für einen kleinen Teacup Chi in einer Tasche sicherer sein als im Getümmel der Fußgängerzone. Schließlich sind diese wirklich wirklich sehr sehr winzig und einmal draufgetreten… sparen wir uns das. Ein Whippet, Dalmatiner und auch ein großer “böser” Pit Bull (der ja nun wirkliche eine harte Hand braucht….<-ironie) sind um einen Hundemantel im Winter sicherlich dankbar. Fehlende Unterwolle und daraus fehlender Schutz vor Kälte sei dank. Vermenschlichung hin oder her – frieren ist doof. Auch für knallharte Killerrüden mit Ambitionen zur Weltherrschaft.

Aber ganz ehrlich? Wir verwöhnen unsere Hunde, nehmen auf ihre Bedürfnisse Rücksicht, geben viel Geld für sie aus (nicht nur für Futter, auch Spielzeug, Leinen und Halsbänder fressen ein großes Loch in unserem Knipp) und trotzdem geht es ihnen gut. Ob sie nun vermenschlicht sind von uns oder nicht. Wir haben so gut wie keine Baustellen mehr (außer Skadis Deprivation und Inukis stürmische Begeisterung für andere Hunde) und auch im sonstigen Zusammenleben läuft alles Rund.

Und nun?

Tja, als ich noch “Alleinstehend” war, waren meine Hunde Partnerersatz in den Augen anderer Menschen. Nun lebe ich in einer festen aber kinderlosen Partnerschaft und meine Hunde sind plötzlich Kinderersatz. Außerdem schlafen meine Hunde im Bett. Nicht weil sie müssen sondern weil sie können wenn sie wollen. Sie liegen auch manchmal im Sofa oder im orthopädischen Körbchen (äh what?! Jaja …), wir kaufen diverse Artikel für Hunde die nicht lebensnotwendig sind und sprechen sogar mit unseren Hunden. In Babysprache, in Erwachsenensprache, in Englisch und manchmal auch mit Körpersprache. Man kann einfach nicht nichts sagen. Das habe ich schon in der Schule gelernt.

Vermenschlicht sind meine Hunde sicher nicht – und wenn doch, mir doch egal. Folgen hat das keine für uns und ich glaube 99% der anderen, vermenschlichten Hunde da draußen auch nicht. Es sind halt immer die anderen, die damit ein Problem haben … warum auch immer. Und wenn Vermenschlichung bedeutet auf seinen Hund acht zu geben, ihn als Lebewesen zu respektieren und seine hündischen Bedürfnisse zu erfüllen weil wir uns eben um unsere liebsten Freunde kümmern – tja dann finde ich sollte jeder Hund vermenschlicht werden. Einfach aus Prinzip.

2 Kommentare

  1. Hallo Daniela,

    ich kann dir nur zustimmen!

    Mit wollten die sog. Hundeprofis auch immer erzählen, dass ein HUnd auf gar keinen Fall vor einem durch die Tür gehen darf und das der Hund nicht einzufordern hat, wann gekuschelt wird! <—Teufelszeug und wenn man nachgibt, dann hat man verratzt! Quatsch mit Sosse!

    Es kommt sicherlich auf den Hund an. Es gibt Hunde, die brauchen eine härtere Hand, im Sinne von Disziplin, aber wenn ein Hund ansonsten keine Macken hat, dann muss da nicht unnötig dran "rumdrillen".

    Hat man eine Beziehung zu seinem Hund, die natürlich da sein sollte, dann kann man auch locker lassen, finde ich. Gewisse Sachen müssen sitzen, ein paar Kommandos z.B. zum reibungslosen Umgang miteinander, aber ein Hund muss nicht zu 100% perfekt funktionieren. Dann hört er halt nicht binnen Millisekunden auf den Rückruf, sondern erst, wenn er zu Ende geschnüffelt hat…solange keine unmittelbare Gefahr herrscht, oder der Hund nicht jagt, isses doch egal.

    Hunde mit Defiziten allerdings, die brauchen wohl etwas mehr Training, aber auch nur auf das bezogen, was eben korrigiert werden soll und Diensthunde sind da auch betroffen, aber ansonsten? Mein Hund ist mein Schatzihund und meine Schmutzbacke und mein Stinkerle und wenn er kuscheln will, dann kommt er eben kuscheln….im Bett darf er nicht schlafen, ich brauche meinen Platz 🙂 Kinderzimmer ist tabu, wenn die Kleine hier ist. Ansonsten kann er liegen wo er will, wie er will (gerne im Weg) und wann er will….

  2. Pingback: [Blogparade] Dürfen Hunde ins Bett? Ja oder Nein? Natürlich! | Pfotenfreunde Inuki & Skadi

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