Hunde aus dem Ausland – für meinen Warenkorb geeignet?

Das Thema Hunde aus dem Ausland ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich selbst besitze einen Hund und eine Katze aus Bulgarien und habe eine lange Zeit für eben diesem Verein in Bulgarien ehrenamtlich gearbeitet. Ich weiß also, wie es ist ein Tier zu adoptieren und zu vermitteln. Beide Seiten der Münze – Adoptant und Vermittler – sind mir nicht fremd.

Deshalb habe ich euch hier auch schon Tipps gegeben, um die Abholung so reibungslos wie möglich zu gestalten. Was allerdings so alles schief gehen kann, könnt in Alvins Geschichte nachlesen.

Aber das eigentliche Thema dieses Artikel ist, woran man merkt, dass man selbst der perfekte Mensch für einen Auslandshund ist. Denn ich bin der Meinung, dass gerade bei Auslandshunden der Mensch derjenige ist, der sich überlegen muss, ob er zu einem Hund aus dem Ausland passt – und nicht umgekehrt.

Ein Hund aus dem Ausland zu adoptieren, ja, so nennt man es, ist heutzutage keine große Sache mehr. Ganz im Gegenteil. Bulgarien, Rumänien, Spanien, Russland, Serbien, Frankreich … die Liste der Ursprungsländer ist schier unendlich, genau wie die Auswahl. Man findet Rassehunde genauso wie Mischlinge. Manche hatten ein Zuhause, manche sind auf der Straße geboren und viele von ihnen wurden misshandelt.

Oft hört man, Hunde aus dem Ausland seien besonders dankbar und geben sooooo viel Liebe zurück. So kommen doch die meisten dieser Hunde aus Tötungsstationen und sind nur knapp der Giftspritze entkommen.

Die Wahrheit ist aber: viele Hunde werden als unkompliziert, kinderlieb, verträglich mit allem und jedem angepriesen. Aber das sieht oft ganz anders aus. Angekommen im neuen Zuhause stellt sich dann heraus, dass der neue Vierbeiner Kinder nicht leiden kann, Angst vor fremden Menschen und Dingen hat und die Katze am liebsten in den Kochtopf stecken möchte. Die Spanne von panisch ängstlich bis ungestüm, wild und aggressiv ist unendlich.

Das liegt daran, dass viele Hunde in ihrer Persönlichkeit in den Pflegestellen oder Sheltern im Ausland gehemmt sind. Die Fluktuation von fremden Hunden ist zu hoch und ebenso auch das Stresslevel, als das der Hund sich in seiner Persönlichkeit entfalten kann.

Im neuen Zuhause sieht dass dann wieder ganz anders aus. Außerdem, viele der Hunde sind ehemalige Straßenhunde und als solche auch geboren. Die kennen natürlich das Leben in einer 60 qm² Wohnung in Berlin nicht! Sie konnten bisher immer das tun, was sie wollten und wann sie wollten. Begrenzungen in Form von Wänden oder gar einer Leine ist ihnen unbekannt und oft auch unangenehm.

Und dass der Hund nicht gleich kompatibel mit dem Stadtverkehr ist und von den Eindrücken mehr als überfordert ist und sich im Zuge dessen auch (aus Sicht der Menschen) Fehlverhalten zeigt, ist doch eigentlich logisch. Das Gegenteil wäre dann eher die Ausnahme. Ob man einem Hund mit diesem Umzug ein Gefallen tut, muss jeder für sich entscheiden. Aber der Hund wird sich bestimmt nicht „gerettet“ fühlen…

Bei jungen Hunden ist es besonders schwer einzuschätzen wie sie drauf sind. Der Charakter ist so oder so noch nicht gefestigt und es wird sich erst im späteren Verlauf seines Lebens zeigen, welche „Schäden in der Persönlichkeit“ er zurückbehalten wird.

Organisationen lügen also nicht unbedingt um den Charakter eines Hundes. Sie können schlicht und einfach nicht voraussagen wie sich der Hund in einer neuen Umgebung verhalten wird und stattdessen nur eine Momentaufnahme der derzeitigen Situation vor Ort geben.

Wann bin ich für einen Hund aus dem Ausland geeignet?
  • Wenn ich totale Flexibilität während des Transports gewährleisten kann – auch Nachts!
  • Wenn ich zwecks Abholung meines Hundes ein Auto zur Verfügung habe und auch weitere Strecken bis zum Abholort fahren kann.
  • Wenn ich keine Probleme damit habe, dass die angegebenen Charaktereigenschaften ggf. überhaupt nicht zutreffen
  • Wenn für mich Baustellen, auch schwerwiegende, kein Hindernis für ein weiteres Zusammenleben darstellen
  • Wenn ich bereit bin, einen Hundetrainer zu konsultieren.
  • Wenn ich den Hundetrainer regelmäßig kommen lassen und bezahlen kann. Eine Einzelstunde liegt bei ca. 35 EUR, je nach Gebiet.
  • Wenn ich bereit bin, zu Gunsten meines Hundes unter Umständen auf Dinge zu verzichten, die andere Hundehalter ohne Probleme mit ihren Hunden machen können!
  • Wenn ich einen Umzug in Betracht ziehen kann, wenn es meinem Hund aus dem Ausland damit besser geht.
  • Wenn ich damit klar komme, in der Öffentlichkeit aufzufallen. Denn manche Hunde äußern sich lautstark und auch nicht immer auf angenehme Art und Weise. (Anbellen von fremden Menschen und Dingen, anpöbeln von fremden Hunden, kein ordentliches an der Leine gehen …)

Könnt ihr alle Punkte mit ja beantworten? Dann seid ihr meiner Meinung nach bestens geeignet, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren. Aber haltet euch immer vor Augen, dass ihr ein Überraschungs-Ei bekommt. Der Hund kann eure Erwartungen übertreffen. Er kann aber auch euer Leben auf den Kopf stellen und eine mittelschwere bis schwere Katastrophe sein. Der Schritt zum Hund aus dem Ausland erfordert Mut, Durchhaltevermögen und eine Portion Ehrgeiz.

Denn im Falle eines Falles besteht die erste Zeit (oder die ersten Jahre?) des Zusammenlebens aus Training. Aber eines ist sicher, man lernt in dieser Zeit viel. Über Hunde und deren Verhalten und Training aber auch über sich selbst.

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