Konditionierte Entspannung

Entspannung für den Hund? Und das auch noch auf Kommando? Ja warum denn das? Ganz einfach. Entspannung ist das Gegenteil von Erregung. Und viele problematische Hundeverhaltensweisen zeigen sich je nach dem wie hoch die Erregungslage des Hundes ist, mal heftiger und mal weniger heftig. Es ist also naheliegend, dass wenn man die Erregungslage des Hundes steuern könnte somit auch Einfluss auf seine Reaktionen und vor allem auf die Intensität seiner Reaktionen hat.

Hunde, welche auf eine Situation mit einer hohen Erregungslage reagieren, fallen in solchen Situationen in das Hinterhirn und sind somit nicht mehr zum aktiven Denken fähig/bzw. nicht mehr ansprechbar. Das Hinterhirn ist der sog. reflexive Teil des Gehirns und steuert den Ablauf von automatischen Reaktionen wie z. B. Angriff, Verteidigung oder Flucht. Also im Grunde alle Situationen in denen langes Nachdenken in der freien Natur zum Tode führen würde. Der Hund befindet sich also im „reflexiven Modus“.

Ist der Hund dagegen im Vorderhirn aktiv, so sucht er selbstständig nach Lösungsvorschlägen und ist in der Lage auf Kommandos oder einer sich verändernden Umwelt zu reagieren. Er ist also im „denkenden Modus“.

Unser Ziel im Hundetraining ist es also, den Hund so lange wie möglich im „denkenden Modus“ zu behalten und zu verhindern das der Hund ins Hinterhin kippt. Und dabei hilft uns das Entspannungshormon Oxytocin.

Das Hormon wird, wie oben bereits angedeutet, in Situationen der Entspannung ausgeschüttet und verteilt sich großflächig im Gehirn. Als Auslöser der Oxytocinausschüttung sind sowohl Wärme und leichte Vibrationen als auch angenehme Berührungen verantwortlich. Somit hat der Mensch direkten Einfluss auf den Entspannungszustand des Hundes und dem Oxytocinhaushalt im Körper des Hundes.

Mit Hilfe der klassischen Konditionierung ist es also nur noch ein kleiner Schritt bis zur Entspannung auf Kommando.

Wie bauen wir das ganze auf?
Wir verknüpfen das Signalwort (hier: ruuuuhig) mit dem Reiz (Massage) welches dann in den von uns gewollten Zustand der Entspannung führt. So erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Entspannung nach dem Training direkt mit unserem konditionierten Signalwort abrufen lässt.

Fangen wir an. Als erstes muss herausgefunden werden auf welche Berührungen der Hund sofort entspannt reagiert. Das kann ein sanftes Streicheln am Bauch sein oder intensives Ohrenkraulen. Da müsst ihr ein bisschen gucken was eurem Hund gefällt. Sobald ihr das herausgefunden habt, kündigt ihr dem Hund mit dem Signalwort an das ihr ihn jetzt massieren werdet und er sich entspannen kann. Das macht ihr jetzt so oft bis der Hund bereits nach einigen Minuten entspannt.

Was passiert hier?
Wir kündigen mit unserem Wort die Massage an, die den Entspannungsprozess einleitet.

Signalwort ———> Massage ———> Entspannung.

Nachdem der Hund das Ganze verknüpft hat sieht der Prozess dann so aus:

Signalwort ———> Entspannung

Ziel ist es also dass der Hund auf Grund des Signalwortes anfängt sich zu entspannen. Somit ist die Entspannung konditioniert und einsetzbar, in heiklen Situationen abrufbar. Fangt an das Signalwort in reizarmen Situationen zu verwenden, wie z. B. im Café wenn der Hund ruhig liegen muss oder beim Bahnfahren. Steigert dann die Schwierigkeit nach und nach. Vergesst aber nicht das Signal immer mal wieder beim kuscheln „aufzuladen“ und dem Hund nach einem gegebenen Entspannungssignal ein Alternativverhalten zu zeigen!

Das Entspannungssignal dient nicht dazu, den Hund komplett entspannt zu halten. Das ist garnicht möglich. Auf Spaziergängen etc. wird der Hund konstant mit Umwelteinflüssen bombadiert sodass eine komplette Entspannung für den Hund unmöglich ist. Was möglich ist, ist es den Hund in „aufregenden Situationen“ wieder ansprechbar zu machen und ihm dann ein Alternativverhalten zu zeigen.

Man kann auch ein Halstuch, beträufelt mit ätherischen Ölen, als Enspannungssignal einsetzen. Der Hund lernt dann „Halstuch um -> Entspannung“. Dies eignet sich wenn es gut aufgebaut wurde, dem Hund das alleine sein zu erleichtern, sei es im Auto oder zu Hause. Konditioniert wird es wie das Signalwort.

Halstuch um —> Massage ——> Entspannungsprozess