Zeigen und Benennen

Wer kennt es nicht selbst? Entweder hat man ihn an der Leine oder auf der anderen Straßenseite. Der pöbelnde, leinenaggressive Hund. Der Spaziergang mit Hund wird zum Spießrutenlauf. Immer auf dem Sprung, die Umgebung permanent am scannen: Wo ist der nächste Hund? Könnte der Mann mit Hut dort für meinen Hund unheimlich sein? Wird er Bellen? Kläffen? Sich in die Leine hängen? Ein Nervenspiel, nicht nur für den Halter. Und die strafenden Blicke der Passanten tun ihr übriges.

Aber was tun? Der Hund ist ja nicht mehr ansprechbar, kein Kommando kommt durch. Schreckreize und Training über Meideverhalten hatten bisher kein Erfolg.

Hier kann ich nur das „Zeigen & Benennen Spiel“ empfehlen. Dies Spiel spielt man mit Hunden, die auf Umwelreize in irgendeiner Art und Weise reagieren, sei es ängstlich, aggressiv… .

Im Grunde ist es ganz einfach. Der Hund sieht einen Auslösereiz, dass kann z.B. ein anderer Hund sein, dann gibts einen Click+Belohnung. Das heißt, der Hund bekommt für das Ansehen des Reizes eine Bestätigung. Der Hund setzt sich also aktiv mit dem Reiz auseinander und lernt „ah da ist dasunddas und dafür werde ich belohnt“. Es wird also auch hier positiv bestärkt und zum Halter umorientiert. Sobald der Hund das Prinzip verstanden hat, fängt er meist schon von selbst an den Hund anzuzeigen, nach dem Motto „schau, da, Hund, gib Keks!“

Wie fängt man das ganze an? Indem man den Radius bzw. die Distanz zum Auslösereiz sucht, indem der Hund sich mit dem jeweiligen Reiz noch auseinandersetzen kann ohne sich aufzuregen. Nach einigen Wiederholungen fängt man an das Kommando einzuführen, bei uns ist es „wo ist der Mensch/Hund/Hase…“.

Schafft es der Hund nicht, den Blick abzuwenden und stattdessen den HF anzusehen, so kann man das Lecker vor der Nase eures Hundes halten und ihn dann zu euch ziehen, oder durch sein Blickfeld plumpsen lassen. Wenn euer Hund danach wieder den Auslösereiz anstarrt – prima, Click und Belohnung. Wichtig ist die Generalisierung, das heißt ihr müsst an vielen verschiedenen Orten und mit vielen anderen Hunden üben.

Mit Skadi übe ich das ganze sowohl bei gruseligen Menschenbegegnungen, vor allem im Dunkeln und bei andern Hunden an der Leine. Sie ist leider eine kleine Pöbelmaus. Bisher klappt es ganz gut. Angefangen sind wir im Stehen. Nun tasten wir uns langsam daran an anderen Hunden vorbeizugehen.

Das Gute an Zeigen & Benennen:

  • systematische Desensibilisierung: Der Hund gewöhnt sich an den Reiz – er wird anfangs nur abgeschwächt dargestellt.
  • klassische Gegenkonditionierung: Ein bereits konditioniertes (erlerntes) reflexzives Verhalten wird überschrieben.
  • operante Gegenkonditionierung: Ein bereits konditioniertes bewusstes Verhalten wird überschrieben/Alternativverhalten ausgeführt.

Ich bin ein Fan dieser Methode, das gebe ich offen zu. Hier wird ein Verhalten des Hundes nicht gedeckelt, nein, er lernt sich mit dem Reiz auseinanderzusetzen, sich nach Frauchen umzuorientieren und der Keks macht den Reiz schon viel sympathischer. Der Hund lernt also aktiv sich mit einem Reiz auseinanderzusetzen!


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